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Wissensbasis Canyoning

Norm Bohrhaken (EN 959)


Aktualisiert:07.12.06

Die Prüfung von Bohrhaken erfolgt nach der EN 959 und UIAA 123. Dabei wird überprüft (verkürzt angegeben):
  • Material:
    Nur korrosionsbeständiger Stahl (Edelstahl ) zulässig, Sondervorschriften bei Nähe zu Meerwasser
  • Bruch- und Auszugsfestigkeit:
    Getestet wird in einem 20x20x20cm großen Würfel aus Beton, der nur eine etwa halb so hohe Festigkeit wie ein gewöhnliches Kalkgestein hat.Der Haken ist genau nach Herstellervorschrift einzubauen. Beim Belastungstest darf bei einer Belastung von 15 kN in axialer, und 25  kN  in radialer Richtung (UIAA 20 kN in axialer Richtung) der Haken weder herausgerissen werden noch zu Bruch gehen.
  • Ösenform - und stärke:
    Mindeststärke 3mm, Innenraum groß genug um gleichzeitig 2 Bolzen mit 11 und 15 mm Durchmesser aufzunehmen, alle Innenkanten abgerundet, um Seilbeschädigungen zu vermeiden.
  • Länge:
    die überarbeitete Norm sieht eine Mindest-Einbindetiefe von 70 mm vor.
  • Anbringung:
    Bohrlochtiefe ungenau: das Bohrloch wird bewußt zu tief gebohrt. Dabei muß der Anker trotzdem die geforderte Haltekraft erreichen.
Eigener Kommentar:
Viele beim Canyoning verwendete Sicherungsmittel erfüllen die EN 959 nicht. Spits scheiden aufgrund der fehlenden Korrosionsbeständigkeit aus, ebenso galvanisierte Expansionsanker. Systeme mit M8-Gewinde werden im Normalfall keine hinreichende Festigkeit haben, erst ab M10 und geeigneter Stahlsorte wird die Norm erfüllt. Zu kurze Bohrhaken - vor allem Expansionshaken - erzeugen in Oberflächennähe zu hohe Spannungen im Fels, die zum Ausbruch von Fels und Haken führen können.
Die Festigkeitsanforderungen der EN 959 mögen beim Canyoning übertrieben erscheinen, doch können auch hier durch eine Kombination unglücklicher Umstände sehr hohe Belastungsspitzen auftreten.
Eigentlich dürfen mit Inkrafttreten der Norm nur noch normgerechte Teile verkauft werden. Da aber die meisten Teile aus der Bauindustrie stammen und für die dortige Verwendung weiterhin zugelassen sind, werden nicht normkonforme Teile weiterhin erhältlich sein.
Natürlich wird der Canyonist, dem beim Begehen einer Schlucht ein Haken fehlt, aus Gewichts- und Zeitgründen nicht immer einen normkonformen Haken anbringen können. Es wäre aber zu überlegen, ob es eine Möglichkeit zur Kennzeichnung  der Haken gäbe, damit nachfolgene Canyonisten überhaupt eine Möglichkeit zur Identifizierung  normgerechter und anderer Haken haben.
Neben der Sicherheit sollte aber auch in Hinblick auf juristische oder versicherungstechnische Auseinandersetzungen im Falle eines Unfalls darauf geachtet werden, bei Neuerschließungen oder Routensanierungen nur noch normgerechte Teile einzubauen.

Autor(en) und Copyright: MP

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